Deutschland nimmt eine Schlüsselposition im europäischen und globalen Markt für Mittelkaliber-Munition ein, insbesondere nach den jüngsten geopolitischen Entwicklungen. Der zugrunde liegende Bericht hebt hervor, dass Europa die am schnellsten wachsende Region ist, mit einer prognostizierten jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 2,8 % bis 3,2 % über den Prognosezeitraum. Deutschland ist ein Haupttreiber dieses Wachstums. Die Entscheidung, das Verteidigungsbudget auf das NATO-Ziel von 2 % des BIP anzuheben und das 100 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für die Bundeswehr zu etablieren, signalisiert einen massiven Investitionsbedarf, der sich direkt auf die Beschaffung von Munition auswirkt. Die Modernisierungsprogramme für gepanzerte Fahrzeuge wie den Schützenpanzer Puma, den zukünftigen Schützenpanzer Lynx und die Beteiligung am Main Ground Combat System (MGCS) schaffen eine langfristige Nachfragebasis für kompatible Mittelkaliber-Munition.
Dominante lokale Unternehmen prägen das Angebot. Rheinmetall AG ist hier ein herausragender Akteur. Als vertikal integrierter Konzern, der sowohl gepanzerte Fahrzeuge als auch Munition herstellt, profitiert Rheinmetall von Synergien und einem erheblichen Marktanteil bei 20-mm- und 30-mm-Kalibern in Europa. Die im März 2023 angekündigte Kapazitätserweiterung der Unterlüß-Anlage zur Verdreifachung der 30-mm-Produktion bis 2025 unterstreicht die Reaktion auf die gestiegene NATO-Nachfrage. Auch KNDS, ein deutsch-französischer Konzern (hervorgegangen aus Krauss-Maffei Wegmann in Deutschland und Nexter), spielt eine Rolle bei der Entwicklung von Plattformen, die diese Munitionstypen nutzen. Die EU unterstützt die europäische Munitionsproduktion zudem mit dem ASAP-Programm, das mit 500 Millionen € dotiert ist und deutschen Herstellern zugutekommt.
Die Regulierungslandschaft in Deutschland ist streng. Der Export und Handel mit Mittelkaliber-Munition unterliegt dem Kriegswaffenkontrollgesetz (KrWaffKG) und dem Außenwirtschaftsgesetz (AWG). Diese Gesetze regeln detailliert die Genehmigungspflichten für die Herstellung, den Handel und den Export von Kriegswaffen. Zusätzlich sind europäische Vorschriften wie die EU-Dual-Use-Verordnung (für Technologien, die zivil und militärisch genutzt werden können) relevant. Die Einhaltung der NATO-Standardisierungsabkommen (STANAG) ist für die Interoperabilität mit Verbündeten von entscheidender Bedeutung. Des Weiteren ist die REACH-Verordnung (Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe) für die in Treibladungspulvern und anderen Munitionskomponenten verwendeten Chemikalien relevant.
Die Beschaffung von Mittelkaliber-Munition in Deutschland erfolgt primär über das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw). Dies beinhaltet direkte Verträge mit Herstellern, oft im Rahmen mehrjähriger Rahmenabkommen. Das „Verhalten“ der Bundeswehr als Abnehmer ist stark von der Notwendigkeit der Lagerbestandsauffüllung nach dem Ukraine-Krieg, der Modernisierung der Ausrüstung und der Sicherstellung der nationalen und europäischen Verteidigungsfähigkeit geprägt. Die Lieferkette wird zunehmend auf Resilienz und die Reduzierung von Importabhängigkeiten ausgerichtet. Es besteht auch ein wachsender Bedarf an technologisch fortschrittlicher Munition, wie programmierbaren Zündern und Airburst-Fähigkeiten, um moderne taktische Anforderungen zu erfüllen.
Dieser Abschnitt ist eine lokalisierte Kommentierung auf Basis des englischen Originalberichts. Für die Primärdaten siehe den vollständigen englischen Bericht.