Deutschland spielt eine zentrale Rolle im europäischen und globalen Markt für Advanced Aerial Mobility (AAM). Als zweitgrößte Region trägt Europa schätzungsweise 28–30 % zum globalen Marktumsatz bei, wobei Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich die Hauptinvestoren in die eVTOL-Entwicklung sind. Die jährliche Wachstumsrate (CAGR) für Europa wird auf 20,4 % geschätzt, was das erhebliche Potenzial und die dynamische Entwicklung in der Region widerspiegelt. Deutschlands traditionell starke Wirtschaft, geprägt durch eine führende Automobil- und Maschinenbauindustrie sowie einen Fokus auf Forschung und Entwicklung, bietet eine ideale Grundlage für die Weiterentwicklung der AAM-Technologien. Insbesondere die hohen Urbanisierungsraten und das Bestreben, Verkehrsstaus und Emissionen zu reduzieren, treiben die Nachfrage nach innovativen Mobilitätslösungen.
Dominante lokale Akteure in diesem Segment umfassen international anerkannte Unternehmen. Volocopter GmbH, ein Pionier im Bereich eVTOL mit Sitz in Deutschland, hat bereits Demonstrationsflüge in verschiedenen Metropolen durchgeführt und plant den kommerziellen Start im Zeitraum 2024–2025. Lilium, ebenfalls ein deutscher eVTOL-Entwickler, konzentriert sich auf regionale Luftmobilitätsrouten mit seinem Jet, der emissionsfreien Betrieb über Distanzen von 40–300 km ermöglicht. Airbus S.A.S., ein europäischer Gigant mit bedeutenden Aktivitäten und Testphasen für sein CityAirbus NextGen-Programm in Deutschland, positioniert sich ebenfalls stark in diesem aufstrebenden Markt. Diese Unternehmen profitieren von der deutschen Ingenieurskunst und der starken industriellen Basis.
Der regulatorische Rahmen in Deutschland und Europa wird maßgeblich von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) geprägt. Die EASA hat mit ihrer "Special Condition for VTOL aircraft" (SC-VTOL) eine definitive Zertifizierungsgrundlage für eVTOL-Hersteller im EU-Luftraum geschaffen, was die regulatorische Unsicherheit für aktive Zertifizierungsprogramme erheblich reduziert. Diese klaren Richtlinien sind entscheidend für die Markteinführung und Skalierung der AAM-Operationen. Über die Lufttüchtigkeit hinaus können auch Organisationen wie der TÜV (Technischer Überwachungsverein) für die Zertifizierung von Komponenten und Systemen sowie für allgemeine Sicherheitsstandards eine Rolle spielen, obwohl EASA der primäre Akteur für die Luftfahrtzertifizierung bleibt.
Die Vertriebskanäle in Deutschland konzentrieren sich zunächst auf kommerzielle Mobilitätsbetreiber, darunter Fluggesellschaften und spezialisierte urbane Flugtaxi-Unternehmen, die eVTOL-Plattformen auf Basis der Gesamtbetriebskosten bewerten. Angesichts der deutschen Verbraucherpräferenzen für Sicherheit, Zuverlässigkeit und Umweltfreundlichkeit ist davon auszugehen, dass diese Aspekte beim Kaufverhalten eine hohe Priorität haben werden. Darüber hinaus könnten Logistik- und E-Commerce-Anbieter ein wichtiger Kanal für den Gütertransport und die Zustellung auf der letzten Meile werden, insbesondere in dicht besiedelten Gebieten, wo herkömmliche Transportwege an ihre Grenzen stoßen. Schätzungen gehen davon aus, dass der Aufbau eines kommerziell tragfähigen urbanen Luftmobilitätsnetzwerks in einer Megacity Investitionen von ca. 1,84–9,2 Millionen € pro Vertiport-Knotenpunkt erfordert, was die Bedeutung der Infrastrukturentwicklung unterstreicht.