Deutschland ist ein zentraler Akteur im europäischen IoT-basierten Lebensversicherungsmarkt, einem Segment, das 2023 schätzungsweise 25 % bis 28 % des globalen Umsatzes ausmachte. Bei einem globalen Marktvolumen von ca. 12,96 Milliarden € belief sich der europäische Markt somit auf etwa 3,24 bis 3,63 Milliarden €. Mit einer prognostizierten jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 20 % bis 22 % in Europa bis 2033 zeigt der deutsche Markt ein stabiles, wenn auch durch regulatorische Rahmenbedingungen moderiertes Wachstum. Als größte Volkswirtschaft Europas und mit einer hohen Versicherungsdichte bietet Deutschland ein robustes Fundament für die Akzeptanz innovativer Versicherungsprodukte. Die fortschreitende Digitalisierung und ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung, insbesondere nach der Pandemie, fördern das Interesse an technologiegestützten Versicherungslösungen. Gleichzeitig beeinflusst die demografische Entwicklung mit einer alternden Bevölkerung die Nachfrage nach seniorenfokussierten Produkten, die von IoT-Gesundheitsmonitoring profitieren können.
Auf dem deutschen Markt sind global agierende Unternehmen mit starker lokaler Präsenz führend. Die Allianz, ein Versicherungsriese mit Hauptsitz in Deutschland, ist aktiv in die IoT-Integration involviert. Ein Meilenstein war die vollständige Integration ihrer proprietären Gesundheitsdatenanalyseplattform mit vernetzten Geräte-APIs, die seit Juni 2023 Echtzeit-Prämienanpassungen im IoT-Lebensversicherungsportfolio in Deutschland und Großbritannien ermöglicht. Auch AXA, ein Pionier für verhaltensbezogene Versicherungsprodukte, hat eine starke Position in Deutschland und Europa, indem es IoT-Lebensversicherungsangebote über Partnerschaften mit Wearable-Herstellern skaliert. Diese Unternehmen nutzen die datengesteuerten Erkenntnisse, um personalisierte Tarife und Anreize anzubieten, die den deutschen Verbrauchern attraktiv erscheinen, sofern Datenschutz gewährleistet ist. Andere große deutsche Versicherer wie die Ergo, R+V oder die Debeka sind ebenfalls dabei, ihre Angebote zu digitalisieren und könnten in Zukunft verstärkt IoT-Lösungen implementieren.
Der deutsche Markt wird maßgeblich durch einen strengen Regulierungs- und Standardrahmen geprägt. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU, in Deutschland durch das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) ergänzt, setzt sehr hohe Anforderungen an die Erhebung, Speicherung und Verarbeitung biometrischer und gesundheitsbezogener Daten. Dies erhöht den Compliance-Aufwand für Versicherer erheblich und kann die Markteintrittsbarrieren für kleinere Akteure verstärken, wie der Bericht auf 15 % bis 25 % der IoT-Integrationsbudgets für kleinere Versicherer beziffert. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überwacht die Versicherungsbranche in Deutschland und stellt sicher, dass neue Produkte, einschließlich IoT-basierter Policen, den Verbraucherschutzbestimmungen entsprechen. Obwohl nicht direkt regulatorisch für Versicherungen zuständig, spielen Organisationen wie der TÜV durch Zertifizierungen im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz eine wichtige Rolle bei der Schaffung von Vertrauen in die zugrunde liegende IoT-Infrastruktur.
Hinsichtlich der Vertriebskanäle zeigt sich in Deutschland ein hybrides Modell. Während traditionelle Kanäle wie Makler und gebundene Vertreter weiterhin relevant sind, gewinnen digitale Direktvertriebskanäle und Bancassurance an Bedeutung. Die Affinität deutscher Verbraucher zur Online-Nutzung, kombiniert mit einer grundsätzlichen Preissensibilität, fördert die Nutzung von Online-Vergleichsportalen und Insurtech-Plattformen. Das Verbraucherverhalten ist jedoch auch durch eine ausgeprägte Skepsis gegenüber der Weitergabe persönlicher Gesundheitsdaten gekennzeichnet, insbesondere bei älteren Zielgruppen. Der Bericht erwähnt, dass 40 % bis 55 % der über 50-Jährigen ungern kontinuierliche Gesundheitsdaten mit Versicherern teilen. Um diese Zurückhaltung zu überwinden, müssen Versicherer nicht nur transparente Datenschutzkonzepte und -technologien anbieten, sondern auch klare finanzielle Anreize schaffen und den Mehrwert für den Kunden verdeutlichen. Wellnessprogramme, die IoT-Geräte als Anreiz integrieren, können hier eine Brücke bauen und die Akzeptanz von IoT-Lebensversicherungen in Deutschland fördern.